Bruno Labbadia hei?t der letzte Strohhalm des VfB Stuttgart. Der Nachfolger des entlassenen Trainers Jens Keller soll die Schwaben vor dem Abstieg retten. Dabei baut Labbadia auf einen "Zehn-Tages-Plan" und auf eine von ihm verbesserte "Ego-Struktur".
Labbadia und der VfB das ist auch eine Schicksalsgemeinschaft. Schlie?lich ist der ehemalige Stürmer so etwas wie ein "Hinrunden-Trainer, dessen Methoden sich bei seinen vorherigen Arbeitgebern Bayer 04 Leverkusen und dem Hamburger SV recht schnell abgenutzt haben. Geht Labbadias Mission in Stuttgart schief, ist auch er für die Bundesliga verbrannt. Bobic jedenfalls vertraut auf dessen F?higkeiten: "Bruno hat gezeigt, dass er kurzfristig Erfolg haben kann. Das würde passen für den VfB, denn momentan ist kein Platz für langfristige Planspiele.
Labbadia muss Erfolg haben
Einer hatte w?hrend der Pressekonferenz nur wenige Worte verloren: VfB-Pr?sident Erwin Staudt. Dabei ist er es, den viele Beobachter als den Hauptschuldigen der VfB-Krise ausgemacht haben. Auch für Staudt ist Labbadia wohl so etwas wie die letzte Chance. Denn das Stuttgarter "Trainer-Lotto muss irgendwann ein Ende finden. Das wei? auch der Pr?sident.
Und Labbadia scheint sich für seine heikle Mission vorbereitet zu haben. So hat der 44-J?hrige in den vergangenen arbeitslosen sechs Monaten flei?ig an seinem Pers?nlichkeitsprofil gearbeitet. "Es gilt auch für mich, Neues aufzunehmen. Wo man Dinge, die nicht gut waren, ?ndern kann, muss man das tun, so der 44-J?hrige. Mangelndes psychologisches Geschick und Sturheit wurde ihm immer wieder vorgeworfen, diese Vorbehalte muss er jetzt entkr?ften.
Die Bayern warten
Der komplette Neustart
Labbadia hat sich in Stuttgart auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen. Immer wieder fiel am Sonntagmittag der Begriff des "Neuanfangs, den die VfB-Verantwortlichen auch personell eindrucksvoll dokumentierten. Denn nicht nur Keller musste seine Koffer packen, auch Fitnesstrainer Christian Kolodziej sowie Teambetreuer Jochen Rücker werden ab sofort nicht mehr für die Profis arbeiten. Vor allem der "Fall Rücker hat ein "Geschm?ckle: Denn Rücker genie?t aufgrund jahrzehntelanger Arbeit Kultstatus bei den VfB-Anh?ngern.
Labbadia soll nun also das schaffen, wozu sein Vorg?nger Jens Keller w?hrend seiner 59 Tage Amtszeit nicht in der Lage war. Der neue starke Mann soll aus einer Ansammlung verw?hnter und hochbezahlter Starkicker eine verschworene Gemeinschaft bilden, der es doch noch gelingt, den schw?bischen Supergau zu vermeiden. Denn ein Abstieg w?re für den VfB nicht nur wirtschaftlich eine Katastrophe, sondern er würde auch bedeuten, im n?chsten Jahr im neuen Stadion den Fans nur noch die graue 2. Liga pr?sentieren zu k?nnen.
Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer
Aber Bobic hat keine Wahl, er musste nach monatelanger Talfahrt reagieren und entschied sich für den harten Schnitt. Auch Staudt, unter dessen siebeneinhalbj?hriger Amtszeit sage und schreibe acht Trainer fallen, sprach von "neuen Methoden, von einer "anderen Vorgehensweise und "anderen Gesichtern. Das wichtigste neue Gesicht ist nun also Labbadia, der bei den Schwaben einen Vertrag bis 30. Juni 2010 erh?lt, nur gültig für die erste Liga.
"Intensive Trainingsarbeit und viele Gespr?che mit den Spielern seien die Elemente seines Zehn-Tages-Plans, meint Labbadia, mit dem er den VfB bis zur Winterpause auf Kurs bringen will. Das wird nicht leicht: Schlie?lich warten neben der unwichtigen Europa-League-Partie gegen Odense gleich zwei Mal die Bayern in Bundesliga und DFB-Pokal. Da müssen zwei kleine Wunder her, das wei? auch Labbadia.
In diesen trüben Stuttgarter Tagen ist es ganz besonders wichtig, dass Bruno Labbadia gut aussieht. Mit blauem Ma?anzug, wei? gest?rktem Hemd und schicker Krawatte sitzt der als "sch?ne Bruno bekannte neue VfB-Trainer zwischen den angeschlagen wirkenden Fredi Bobic und Erwin Staudt auf dem Pressepodest in der Mercedes-Benz-Arena. Sportdirektor Bobic und Pr?sident Staudt haben Labbadia gerade den klaren Auftrag erteilt: Rette den VfB!